antagōnisma 03

Kunstwerke steht entgegen gängiger Falschmeinungen niemals für sich alleine, jedes Kunstwerk bezieht sich natürlich einerseits auf sich selbst, andererseits und wichtigerweise aber auch auf das gesamte „kulturelle Erbe“ und die persönliche Erfahrungswelt bis zum Zeitpunkt seiner Entstehung. Und das gilt nicht nur innerhalb der jeweiligen Kunstsparten (Musik, Literatur, Malerei, Architektur, etc.), sondern auch interdisziplinär.

Vieles ist also in jedem Kunstwerk miteinander verwoben, und darüber hinaus gibt es Gattungen, welche bewusst verschiedene Künste kombinieren. Die beliebteste Kombinationspartnerin für die Musik ist wohl die Literatur, vor allem die Poesie – dies wird in unzähligen Gedichtvertonungen offenbar: Komponisten aller Epochen und Schulen ließen sich vom Wort inspirieren. „antagōnisma ­­– musik im widerstreit“ machte im dritten Konzertabend der Reihe die Verbindung von Musik und Malerei zum Thema.

Für das Projekt wurde mit dem Künstler Sascha Less und mit sieben jungen Komponistinnen und Komponisten zusammengearbeitet, die jeweils neue Werke beitrugen. Jede der entstandenen Kompositionen reagierte auf ein bestimmtes Bild Less‘, als Besetzung stand ein achtköpfiges Ensemble zur Verfügung. Auf eine vor die gesamte Bühne gespannte Leinwand wurden dann beim Konzert die jeweiligen Bilder projiziert, das unsichtbar hinter der Leinwand positionierte Ensemble spielte die dazugehörigen Kompositionen. Die Bilder Less‘ sind komprimierte Kosmen, unberechenbare Universen, pluralistische Panoramen, und ziehen gerade im Großformat den Betrachterblick unerbittlich in ihren Sog. Genauso schillernd und bunt wie die Bilder war die Bandbreite der dargebotenen Uraufführungen, jede und jeder der jungen Komponistinnen und Komponisten beeindruckte mit jeweils sehr individueller Tonsprache und stimmiger künstlerischer Aussage. Von der zur Verfügung stehenden Besetzung pickten sich die KomponistInnen eine für ihre Vision adäquate Auswahl von Instrumenten heraus, und so musizierten verschiedenste Ensembles – vom unorthodoxen Streichtrio Viola – Violoncello – Kontrabass, bis hin zum kompletten Kammerensemble. An zwei Kompositionen war außerdem ein Sprecher beteiligt.

Eine Symbiose aus Kunstausstellung und Konzert: das wurde mit „antagōnisma #03 – Panoptikompositum“ angestrebt. So wurde das Foyer des Tiroler Landeskonservatoriums am Konzertabend in eine Kunstgalerie verwandelt: auf Wänden und Staffeleien konnten Besucherinnen und Besucher die Werke von Sascha Less betrachten. Im Konzertsaal selbst fand die Verquickung der beiden Medien statt. Nach den Uraufführungen, die jeweils auf ein Bild von Sascha Less komponiert worden waren, folgte als Conclusio die Umkehr dieses Prozesses. Das Streichquintett Nr. 1 – „Jebise“ von Michael A. Leitner und Gabriel Bramböck in einem Arrangement für Ensemble diente Sascha Less als Inspiration, seinerseits eine künstlerische Impression zu schaffen. Er dokumentierte dabei die einzelnen Schritte des Entstehungsprozesses, und so stand am Ende des Konzertes die Aufführung von „Jebise“, während der man die Rezeption Less‘ sozusagen parallel zum Stück wachsen und entstehen sehen konnte.

Es war sehr spannend, zu sehen, wie Bild und Musik sich gegenseitig ergänzen, bereichern, und vertiefen konnten, und die überaus begeisterten Publikumsreaktionen waren Grund genug, dieses erfolgreiche Konzept weiterzuführen.

Programm

Aleksandar Jovanovic: "Eine einfache Komposition"
Lena Kleiner: "Der Kopf steht mir bis zum Hals"
Siegfried Portugaller: "HandLess"
Erwan Borek: "Aus der Mitte heraus sich wiederholend"
Lukas Duregger: "Die Zeit im Bild"
Michael A. Leitner: "Shaolin Europe Association"
Joachim Pedarnig: "Blickwinkel"
Gabriel Bramböck: "Studie"
Anna D. M. Nussbaumer: "Ohne Titel"
Michael A. Leitner, Gabriel Bramböck: "Jebise"

Beteiligte Mitglieder

Weitere Beteiligte

                                  Erwan Borek - Komposition
                            Lukas Duregger - Komposition, Kontrabass
                                     Anna Gratl - Viola
                                 Sara Hintner - Flöte
                           Andreas Höllrigl - Percussion
                Aleksandar Jovanovic - Komposition
                          Antonia Kapelari - Trompete
                                 Lena Kleiner - Komposition
                      Stefan Krimbacher - Akkordeon
                                 Sascha Less - Bilder
                Maximilian Marberger - Stimme
            Anna D. M. Nussbaumer - Komposition
                       Joachim Pedarnig - Komposition
                  Siegfried Portugaller - Komposition
                      Rahel Rupprechter - Violoncello
                      Johannes Schauer - Klarinette
                        Florian Tschörner - Organisation, Technik, Plakatgestaltung

Termine

24. und 26. Juni 2016
Orte: the early bird,Tiroler Landeskonservatorium Innsbruck

Sount Snippets

Lukas Duregger: "Die Zeit im Bild"

Aleksandar Jovanovic: "Eine einfache Komposition"

Joachim Pedarnig: "Blickwinkel"

Erwan Borek: "Aus der Mitte heraus sich wiederholend"