antagōnisma

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Thematisches Zentrum des ersten Konzertabends der Reihe „antagōnisma – musik im widerstreit“ war die Dichotomie von Genie und Wahnsinn, erforscht am Beispiele Wolfgang Amadé Mozarts. Diesen Geist zum Startpunkt des Konzertes und der Reihe zu erklären macht Sinn, stellt Mozart für viele doch das größte musikalische Genie der Musikgeschichte dar, sein Wahnsinn ist jedoch weniger bekannt.

Zwei besondere Meisterwerke wurden aus seinem Œvre ausgewählt: das Divertimento in F-Dur (KV 138) entstand im Alter von 16 Jahren und gehört doch mit seinem elegischen Andante-Satz zum Schönsten, was Mozart geschrieben hat. Viel später in seinem Leben steht das C-Dur Streichquartett (KV 485), er vollendete es 1785, sechs Jahre vor seinem Tod. Wegen seines harmonisch kühnen Beginns wird es auch „Dissonanzenquartett“ genannt.

Diese beiden Werke wurden jeweils konfrontiert; standen „im widerstreit“, mit zeitgenössischen Kompositionen, die auf weniger bekannte Seiten des Menschen Mozarts eingingen: „ich scheisse schon wircklich bald 22 jahr aus den nemlichen loch, und ist doch noch nicht verissen!“ – so heißt es in einem von dessen Briefen an sein „Bäsle“ Maria Anna Thekla Mozart, und weiter: „– und hab schon so oft geschissen – – und mit den Zähnen den dreck ab-bissen.“ Zwei dieser berüchtigten Schreiben wurden von Michael A. Leitner und Gabriel Bramböck für Chor und Streichquartett vertont. Die beiden Komponisten schufen hierbei Werke, die Mozarts Korrespondenzen ausdrucksvoll illustrierten und in vielfältiger Weise Anklänge an berühmte Stücke hörbar werden ließen. Darüber hinaus inkorporierten sie Licht und Bühne in ihre Kompositionen. Am Schluss des Konzertabends stand eine szenische Lesung eines Bäslebriefes durch Maximilian Marberger. Der Schauspieler und Sänger verwandelte den in mehreren Linien erzählenden Brief in ein fesselndes Ein-Mann-Theater; einen berauschenden Blick in den Kopf des großen Künstlers.

Mozarts Werk und Person wurden von zwei auf den ersten Blick grundverschiedenen Seiten beleuchtet, doch im Verlauf des Konzertes wurde immer mehr deutlich, dass diese beiden Gesichter in Wahrheit Teil eines vielschichtigen Antlitzes sind, sich gegenseitig beeinflussen und durchwirken. Eine erfrischend neue Perspektive zu gewinnen, das war das Ziel dieses Abends, und jede Besucherin, jeder Besucher, konnte zweifellos einen ganz neuen Blick auf den wohl Bekanntesten aller Komponisten erlangen.

 

Programm

W. A. Mozart: Divertimento in F-Dur (KV 138)

Gabriel Bramböck: Sch: scheißen: das ist hart.
nach einem Brief von W. A. Mozart

W. A. Mozart: Streichquartett in C-Dur (KV 485)

Michael A. Leitner: Tko nema u glavi ima u nogama
nach einem Brief von W. A. Mozart

W. A. Mozart: Brief an M. A. Th. Mozart vom 5. 11. 1777
gelesen von Maximilian Marberger

Beteiligte Mitglieder

Weitere Beteiligte

Florian Tschörner - Organisation, Plakatgestaltung
Maximilian Marberger - Mozart
Martina Nisandzic - Violine
Anja Milicevic - Violine
Anna Gratl - Viola
Antonia Kapelari - Violoncello
magarac chor

 

Termin

20. November 2015
Ort: the early bird, Innsbruck
Gefördert durch die Stadt Innsbruck und das Land Tirol.